Gipfeltreffen für einen guten Zweck
ESSLINGEN: Andreas Lang und Markus Walder klettern für das Frauenhaus
Von Dagmar Weinberg
„Die einzigen Gipfelgespräche, die wirklich Sinn haben, sind die der Alpinisten“, behauptete zumindest der Bergsteiger und Alpenepos-Regisseur Luis Trenker. Es scheint was Wahres dran zu sein. Denn die Idee zu einer Benefiz-Klettertour für das Esslinger Frauenhaus hatten Markus Walder und Andreas Lang auf dem Gipfel des Hochvogel.
„Wenn man da oben steht, ist das schon ein unheimliches Glücks- und Gemeinschaftsgefühl“, beschreibt Markus Walder jenen Augenblick, als er und sein Freund den Aufstieg geschafft hatten. „Wir haben diese Tour als Geschenk begriffen. Doch viele Leute können sich so ein Erlebnis nicht leisten, weil sie einfach nicht die finanziellen Mittel dazu haben“, sagt Andreas Lang. Und so wurde das Projekt „climb4help“ geboren, bei dem sich die beiden Krankenpfleger in den Dienst der guten Sache stellen. „Wichtig war uns von Anfang an, dass die Spenden benachteiligten Menschen in der Nachbarschaft zugute kommen.“
Hilfe für traumatisierte Kinder
Wieder zurück in Esslingen, hörten sich die beiden um, welche Einrichtung denn Hilfe brauchen könnte. „Es ist teilweise gar nicht so leicht, zu helfen“, hat Andreas Lang festgestellt. Beim Esslinger Verein Frauen helfen Frauen rannten sie mit ihrem Angebot für eine Benefiz-Klettertour aber sofort offene Türen ein. „Und wir stehen auch inhaltlich voll hinter der Arbeit, die dort geleistet wird“, unterstreicht Markus Walder. Denn man einigte sich darauf, dass das erkletterte Geld den Kindern zugute kommen soll, die im Frauenhaus leben.
Durch die zuhause miterlebte Gewalt sind die Kinder erheblich traumatisiert, was sich körperlich, psychisch sowie im Sozialverhalten niederschlägt. Da die Mittel des Frauenhauses nicht ausreichen, um die Kinder professionell bei der Bewältigung ihrer Probleme zu unterstützen, initiierte der Verein Frauen helfen Frauen vor acht Jahren eine Patenaktion. Ausschließlich durch Spenden und Fördergelder wird eine Teilzeitstelle im Mädchen-Jungenbereich finanziert. Und genau dahin soll auch das Geld fließen, das die beiden Alpinisten, die am 17. Juli zum Gipfel der 2643 Meter hohen Zimba im Montafon aufbrechen wollen, erklettern. Gemeinsam mit ihrem Mitstreiter Markus Maichle, der für die Homepage verantwortlich zeichnet, geht es zuerst zur Heinrich Huetter-Hütte. Am nächsten Morgen setzen Andreas Lang und Markus Walder dann zum Gipfelsturm an.
Spenden statt Geschenke
Ähnlich den Benefizläufen, bei denen Sponsoren für jeden gelaufenen Kilometer oder jede Runde Geld spenden, konnte man im Vorfeld der Bergtour bei verschiedenen Veranstaltungen, bei denen auch die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses über ihre Arbeit informierten, Höhenmeter kaufen. Jeder Meter kostete einen Euro, wer gleich zehn Meter erwarb, bekam sogar ein kleines Geschenk. „Unsere Aktion hat klein angefangen und ist dann regelrecht explodiert. Es haben sich auch viele Firmen beteiligt, und es gab Leute, die ihren 50. Geburtstag gefeiert haben und statt um Geschenke um Spenden gebeten haben“, freuen sich die Kletterer, die ihr Projekt auch an ihrem Arbeitsplatz, dem Klinikum Esslingen, vorgestellt haben. So steht das Spendenbarometer zurzeit bereits bei rund 3000 Euro. Bei ungezählten Gesprächen, die sie in den vergangenen Wochen und Monaten geführt haben, gab es nicht nur jede Menge Lob für die Aktion. „Den Leuten war es sehr angenehm, dass das Geld vor Ort verwendet wird“, sagt Markus Walder. Auch wenn er und sein Freund zeitlich ans Limit gegangen sind, „macht uns das Projekt unheimlich glücklich, und wir werden im nächsten Jahr wieder zu einer Klettertour starten“.
Weitere Informationen zu der Benefiz-Tour und zu Spendenmöglichkeiten gibt es unter www.climb4help.com
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